Schützen oder schießen?

Immer mehr Wölfe kommen nach Österreich. Ist das gefährlich?

Rehe, Wildschweine und Hirsche sind  Leckerbissen für Wölfe. Bis zu fünf Kilo­gramm Fleisch frisst ein Wolf pro Tag. Aber mit 500.000 Schafen und Ziegen sind auch die Wiesen und Weiden in Österreich reich für die Wölfe gedeckt. Hin und wieder töten sie eines dieser Tiere, die einem Bauern gehören.
Das ist der Grund für einen Streit um die wilden Vorfahren unserer Haushunde. „Wölfe gehören abgeschossen“, sagen die einen. „Sie sind keine Kuscheltiere, aber auch keine Monster“, meinen die anderen. „Lasst sie in Frieden im Wald leben.“

Von einem auf 121

Wölfe leben in Rudeln: Sie bilden Wolfsfamilien aus 20 bis 36 Elterntieren und ihren Jungen. Die Hälfte der Fläche von Österreich ist von Wäldern bedeckt. 800 Wölfe (oder 40 Wolfsrudel) hätten darin Platz. Erst wenn es mehr werden, sollen überzählige Tiere abgeschossen werden dürfen.
Was Naturschützer freut, macht Bauern nervös: 121 Wölfe leben in Österreich. Vor 15 Jahren war es nur ein einziger. Experten schätzen: In zehn bis 20 Jahren werden es 500 sein.

Länge (inkl. Schwanz): 100 bis 140 cm (Rüden), 97 bis 124 cm (Fähen)
Fellfarbe: grau, mit rötlichen, gelblichen bzw. bräunlichen Tönungen
Territorium: ca. 200 km²
Hauptnahrung: pflanzenfressende Säugetiere

Nicht aus dem Nichts

Vor 100 Jahren waren die Tiere in Österreich fast ausgerottet. Schon immer verspeisten sie nicht nur das Wild im Wald, sondern auch Tiere von Bauern. Doch inzwischen sind die Wölfe geschützt, man darf sie nicht jagen.
Das sind schlechte Nachrichten für viele Bauern. Über 1.100 Weidetiere haben Wölfe im vergangenen Jahr verletzt oder getötet – fast doppelt so viele wie 2024. Die meisten waren Schafe und Ziegen, aber auch 27 Rinder waren darunter – und sogar ein Alpaka. Wölfe gibt es in allen Bundesländern außer in Wien.

50 Kilometer wandern

Der Raum, in dem Wölfe leben, heißt Revier. Es ist umso größer, je weniger Beutetiere es dort gibt. Auf Nahrungssuche wandern Wölfe fast 50 Kilometer weit. Dabei wählen sie immer den kürzesten Weg. Deshalb kann man sie manchmal dort sehen, wo Menschen wohnen: Sie laufen durch Wohnsiedlungen, und oft stoßen sie auf die Weide eines Bauernhofs.

Blutrünstige Jäger?

Wölfe leben im Hier und Jetzt. Wenn sie auf eine Schafsherde treffen, denken sie nicht „auf Vorrat“. Wir Menschen wissen: Der Supermarkt hat auch morgen geöffnet. Wölfe denken nicht: Ich hole mir jetzt nur ein Schaf, denn die anderen stehen ja morgen auch noch auf dieser Weide. Sondern sie töten oft viel mehr Tiere, als sie als Nahrung brauchen. Manchmal richten Wolfsrudel deshalb ein wahres Blutbad an.
Das macht sie verhasst. Es hat ihnen – wie früher Füchsen oder Mardern im Hühnerstall – auch den Ruf eingetragen: Wölfe sind blutrünstig!

Sieh dir die Doku „Familie Wolf: Gefährliche Nachbarn?“ an.

Beantworte dann folgende Fragen:

  • Wann verlassen junge Wölfe ihr Zuhause?
  • Wie viele Kilometer können Wölfe an einem Tag zurücklegen?
  • Wovon ernähren sich Wölfe im Wald?

Hunde gegen Wölfe

Fachleute erklären, dass man Wölfe trotzdem nicht abschießen muss: Tierherden kann man auch anders schützen. Etwa indem man Elektro-Zäune um die Weiden spannt. Es gibt auch große, kräftige Herden-Schutzhunde, die Wölfe abhalten können. Auch Menschen können als Hirten auf Schafherden aufpassen.
Das alles kostet Geld. Bauernhöfe, auf denen Schafe oder Ziegen gehalten werden, sind in Österreich sehr klein. Im Durchschnitt leben dort bis zu 30 Tiere. Ob Zäune, Hunde oder Hirten – sie sind zu teuer für die kleinen Höfe. Die riesigen Almwiesen, auf denen Schafe weiden, sind außerdem zu groß zum Einzäunen.

Grausame Natur

In ganz Europa gibt es heute wieder rund 25.000 Wölfe. Seit sie unter Schutz stehen, verbreiten sie sich schnell. Nach ein bis zwei Jahren verlassen die Jungwölfe ihr Rudel und bilden ein eigenes.
In der freien Natur erbeuten Wölfe vor allem kranke, schwache und alte Tiere. Deshalb sagen Umweltschützer: Es ist gut, dass die Räuber wieder da sind, denn gesunde, kräftige Beutetiere bleiben ja am Leben.
Uns kommt diese „natürliche Auslese“ grausam vor. Denn wir helfen anderen Menschen, die schwächer sind und denen es schlecht geht.
Bei Tieren ist das anders. Jedes Tier ist immer Jäger und Gejagter. Ob der Wolf auch von Menschen wieder gejagt und ausgerottet wird wie vor über 100 Jahren? Die Frage ist noch nicht entschieden.


LeseStar-Aufgabe

Die Rückkehr der Wölfe nach Österreich bringt einerseits Vorteile für die Natur, andererseits Probleme für die Landwirtschaft. Über ihren Schutz oder Abschuss wird heftig diskutiert. Lies den Artikel oben und beantworte folgende Fragen:
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