Was ist schön?
Schwarze Zähne, dicker Bauch, große Brüste: Was wir schön finden, ändert sich.
Sophie ist 15 Jahre alt. Für die anderen in der Klasse ist sie nur der „Nasenbär“. Denn das Riechorgan in ihrem Gesicht ist riesig. Paul ist das egal. Er ist in Sophie verliebt, aber die bekommt das gar nicht mit. Denn sie steht auf Leo. Der sieht gut aus und trainiert im Fitnessstudio.
Sophies Freundin Luisa dagegen interessiert sich sehr für Paul. Doch für ihn ist sie bloß eine Mitschülerin. Sophie wünscht sich eine kleinere Nase, Luisa sehnt sich nach größeren Brüsten. Nur eine Operation kann helfen.
Sophies Vater stimmt schließlich zu. Ihre Nase schrumpft durch den chirurgischen Eingriff. Doch jetzt, wo sie „schön“ ist, wird sie eingebildet. Leo erwählt sie zu seiner Freundin – andere Freundinnen und Freunde verliert Sophie jedoch.
Was würdest du tun?
Das ist die Handlung des Musicals „Mitten im Gesicht“. Es entlässt sein Publikum mit der Frage: „Was würdest du tun?“ Hätten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer die Nase auch durch eine Operation kleiner machen lassen? Wäre Sophie mit ihrem großen „Zinken“ ein nettes Mädchen geblieben, vielleicht Pauls Freundin geworden? Warum ist sie jetzt so unausstehlich? Hätte sie das Mobbing durch ihre Klasse ertragen, den über das Handy einströmenden Bildern von schönen Menschen widerstehen sollen?
Das Musical beantwortet diese Fragen nicht. Wir müssen uns selbst Gedanken darüber machen. Es gibt auch keine einfachen Antworten. „Schönheit beginnt in dem Moment, in dem du beschließt, du selbst zu sein“, hat die französische Modeschöpferin Coco Chanel gesagt. Nur ist das leichter gesagt als getan. Wahrscheinlich war es nie schwieriger als heute.
Körper verändern? Die Hälfte sagt ja
Wie wichtig uns das Thema Schönheit ist, zeigen viele Untersuchungen. Die Hälfte aller Frauen und ein Drittel der Männer finden: Ich muss an meinem Körper etwas ändern, damit ich so aussehe wie die Leute in der Werbung.
Die Plattform „Safer Internet“ hat 400 Jugendliche zwischen 11 und 17 gefragt, ob sie gerne etwas an ihrem Aussehen ändern würden. Mehr als die Hälfte von ihnen hat mit „Ja“ geantwortet. Mehr als ein Viertel haben schon über eine Schönheitsoperation nachgedacht.
Die wichtigste Rolle dabei spielen Influencer – und überhaupt Social Media. Obwohl wir alle wissen: Die meisten Bilder und Filmchen im Internet sind nachbearbeitet, durch Filter gelaufen, mit Tricks „schöner“ gemacht.
Auch das ist nicht neu. Menschen haben immer schon nachgeholfen, um dem Schönheitsideal ihrer Zeit zu entsprechen.
Arbeitsauftrag 1
Schau dir das Video an und beantworte folgende Fragen:
- Was finden die meisten Menschen schön?
- Was sind Schönheitsideale?
- Wer und was beeinflusst unsere Vorstellung von Schönheit?
Schönheitsideale ändern sich
„Es geht immer um Gefallen und Gefallen-wollen“, sagt die Journalistin Rabea Weihser, die ein Buch über schöne Gesichter geschrieben hat. „Da läuft ein Programm aus der Steinzeit in uns ab.“
Was als schön gilt, hängt von der Zeit ab, in der man lebt, und vom Ort. Es ist noch nicht lange her, da galt es in Japan als schön, sich die Zähne schwarz zu färben. Während wir uns in der Sonne bräunen, schmieren sich die Menschen in Südkorea teure Cremes auf die Haut, die sie heller macht.
Sinn für Schönheit?
Einen angeborenen „Schönheitssinn“ gibt es nicht. „Was schön ist, lernt man im Lauf des Lebens“, sagt die Psychologin Nora Ruck. Familie, Freunde, Bekannte Medien und Werbung bestimmen, was schön ist. Heutzutage wird dabei übertrieben wie niemals zuvor. Da wird so lange gekauft und geschminkt und an Bildern beschönigt, gefiltert und bearbeitet, bis sie nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun haben.
Das verunsichert viele Menschen, die sich deswegen in ihrer eigenen Haut unwohl fühlen und unter dem Druck stehen, an ihren Körpern etwas zu ändern.
Aber was ist nun tatsächlich schön und anziehend? Während das, was jemand schön findet, zu jeder Zeit und bei jedem anders ist, gibt es auch Eigenschaften, die alle anziehend finden.
Arbeitsauftrag 2

Lies die Grafik und beantwortende folgende Fragen:
- Wie viel Prozent der befragten Jugendlichen achten auf ihre Figur?
- Welche Aussage erhält die meiste Zustimmung von den Befragten?
- Wie viel Prozent der befragten Jugendlichen haben schon einmal über eine Schönheits-OP nachgedacht?
- Was sind deine Gedanken, wenn du diese Statikstik siehst?
Wie ein Superheld
Wenn man mit sich selbst zufrieden ist, strahlt man Zufriedenheit aus. Freundlichkeit und ein Lächeln bewirken, dass das Gegenüber zurücklächelt. Auch Selbstbewusstsein ist eine Wunderwaffe. Sich gut zu finden, ist nicht einfach, aber man kann es üben: indem man etwas findet, das Spaß macht – ein Hobby, ein Instrument, eine Sportart. Wenn man etwas gerne macht und gut kann, dann fühlt sich das auch gut an.
Klugheit und Humor sind anziehend. Nett und hilfsbereit zu sein, ist schön.
Auch die Körperhaltung unterstützt ein gutes Körpergefühl. „Achte darauf, dass du mit beiden Beinen am Boden bleibst, und stell dir vor, dein Cape flattert hinter dir“, rät Spot-Psychologin Miriam Foresta. „Du bist Superman oder Superwoman. Wenn du diese Haltung bewusst einnimmst, wirst du dich bald wirklich wie ein Superheld fühlen!“
Deine Meinung
Was ist für dich schön?
Ist es wichtig, gut auszusehen? Oder sollten wir weniger auf unsere Körper und auf die der anderen schauen?