Krieg ohne Plan

„Wir zerstören die Terror-Regierung im Iran“, hat US-Präsident Donald Trump angekündigt. Bisher ist das nicht passiert. Nur auf der ganzen Welt sind Autofahren und Flugreisen teurer geworden. Warum?

Es war der letzte Sommer, bevor Jina Masha Amini Biologie studieren wollte. Auf Insta gibt es Bilder von ihr: Jina singt, tanzt und lacht. Sie trägt Jeans und bunte T-Shirts, auch einen Schal, der ihr Haar verdeckt. Frauen im Iran müssen in der Öffentlichkeit so einen „Hijab“ tragen. Der Islam und die Religionsführer („Mullahs“) wollen das so.
Am Abend des 13. September 2022 steigen Jina und ihre Freunde in der iranischen Hauptstadt Teheran aus der U-Bahn aus. Männer der „Sittenpolizei“ halten sie auf: Ihr Hijab sitzt nicht richtig, man sieht ihr Haar, behaupten sie. Sie nehmen sie im Polizeiauto mit. Wenig später ist Jina tot, gestorben mit 23 Jahren in den Händen der „Sittenpolizei“.

Hauptstadt:Teheran
Einwohnerzahl: ca. 92,4 Millionen (Stand Juni 2025)
Sprache:Persisch
Größe:1.648.195 km²

 

Mehr denken, mehr Freiheit

Um das Jahr 1500 lichten sich in Europa die Nebel des Mittelalters. Die Menschen beginnen, mehr selbst nachzudenken und Fragen zu stellen, statt einfach alles zu glauben, was Könige und Kirche sagen. Sie lernen lesen und schreiben. Mit mehr Bildung kommen mehr praktische Erfindungen und mehr Freiheit.
Im Iran passiert 500 Jahre, bevor Jina geboren wird, das Gegenteil. Die Herrscher der Safawiden (siehe Zeitleiste Das Reich der Perser) führen den Islam als Staatsreligion ein. Diese Religion hat viele feste Regeln. Sie geben Gläubigen Hilfe und Orientierung im Alltag. Aber je nachdem, wie streng sie eingehalten werden, können Frauen entweder studieren und als Ärztinnen oder Biologinnen arbeiten. Oder sie müssen ihren Körper verhüllen, dürfen nur in Begleitung von Männern aus dem Haus und weder etwas lernen noch einen Beruf ausüben. Im Iran wird der Islam ziemlich streng ausgelegt.

Der Weg des Öls

Die Insel Kharg liegt vor der Küste des Iran. Dort wird Erdöl gelagert und mit Schiffen übers Meer in viele Länder der Welt gebracht. Die USA hat die Insel Mitte März zwar bombardiert, aber nur Militäranlagen zerstört, keine Öltanks. 

Die Straße von Hormuz ist eine Meerenge zwischen den Ländern Oman und Iran und verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer. An manchen Stellen ist sie nur 40 Kilometer breit. Durch sie fahren viele riesige Tanker mit Erdöl für die ganze Welt. Wenn die Insel oder die Meerenge blockiert sind, weil etwa der Iran die Tanker beschießt, fehlt der Welt ein Drittel des Öls, das sie für Autos, Flugzeuge und Fabriken täglich braucht. Weniger Öl bedeutet: Das, was es noch gibt, wird teurer. Das merken auch wir an der Tankstelle.

Auf die Straße

Jina kennt beide Welten. Sie lebt im Iran, aber sie hat auch eine Tante in Norwegen. Die erzählt von den Freiheiten der Frauen in Europa. Jina ist unglücklich mit dem Hijab, sie liebt Mode, Musik, Tanzen, Reisen, Kunst und Literatur. Aber sie protestiert nicht gegen die Zwänge des Islam im Iran. Sie möchte nicht, dass ihre Familie Probleme bekommt. Sofort nach dem Studium will sie weg von hier.
Die Proteste treiben viele junge Menschen auf die Straße. Zuerst nach Jinas Tod, dann wieder im Winter 2025/26. Zuerst geht es um das Kopftuch, dann auch um das Leben im Land. Denn das ist für viele sehr schwierig: Die Geschäfte sind leer, viele Menschen arm. Außerdem wollen sie mehr dürfen: frei reden, schreiben, sich treffen. Doch die gefürchteten „Revolutionsgarden“ sperren Tausende Protestierende ein, foltern und töten sie.

Weg mit Atomwaffen

Viele Menschen auf der Welt begrüßen es daher, dass die USA gemeinsam mit Israel am 28. Februar den Iran angreifen. US-Präsident Trump denkt aber weniger an Jina und ihre Freunde, sondern an Waffen: Der Iran baut eine Atombombe. Doch ein Land, das den Islam so streng auslegt, darf keinesfalls Atomwaffen haben. Dann spricht der US-Präsident doch vom „regime change“: Die Regierung der religiösen Führer im Iran soll einer Demokratie weichen, gewählt vom iranischen Volk. Aber schon zwei Wochen später ist keine Rede mehr davon. Hat der US-Präsident überhaupt einen Plan?
In Wahrheit geht es Trump um Erdöl. Die USA selbst haben immer noch reichlich davon. Der Iran hat viel Öl an China verkauft, den Feind der USA, und dem geht es jetzt aus. Weil Russland 2022 die Ukraine angegriffen hat, haben die USA und die EU verboten, russisches Erdöl zu kaufen. Jetzt fehlt iranisches Öl – und China kauft einfach wieder in Russland. Das bedeutet, dass auch die russische Kriegskasse wieder klingelt. Auch europäische Länder wie Österreich, die kein eigenes Erdöl haben, um daraus Treibstoff für Autos, Flugzeuge und Fabriken herzustellen, müssen es jetzt anderswo teuer einkaufen.

Teilt euch in Kleingruppen auf und diskutiert folgende Fragen: 

  • Wieso betrifft der Krieg auch Länder, die direkt gar nicht direkt beteiligt sind? 
  • Welche Rolle spielt Erdöl bei dem Krieg?

Präsentiert eure Ergebnisse vor der Klasse.

Schwacher Widerstand

Vor allem aber ist die Regierung in Teheran offenbar widerstandsfähiger, als US-Präsident Trump vermutet hat. Sie will sich den Amerikanern nicht ergeben. Die von US-Bomben getötete religiöse Regierungsspitze wird einfach durch eine neue ersetzt. Und im ganzen Land hält sich hartnäckig das Netzwerk der islamistischen „Revolutionsgarden“. Der Widerstand gegen sie und die Regierung in Teheran ist schwach, und wieder einmal zeigt sich: Der Sturz einer Regierung kann nur von innen erfolgen. Man kann ihn nicht von außen herbeibomben. Auch Nachbarländer in der Region führen längst Krieg, manche für und manche gegen die USA. Trumps Krieg ohne Plan hat ein Riesenchaos angerichtet. „Die Freiheit stirbt zuletzt“, lautet ein Sprichwort. Von Jina redet niemand mehr. Doch ihre Freiheit ist zuerst gestorben.

In diesem Video von MrWissen2go erfährst du, warum die USA und der Iran schon seit vielen Jahren streiten – und welche Ereignisse in der Vergangenheit dazu geführt haben, dass es heute noch Spannungen zwischen ihnen gibt.